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| eine kurze geschichte des asana-begriffs | |
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Asana meint wörtlich: sich setzen, sich hineinbegeben, sich einrichten in einer
bestimmten Position. Der Begriff rührt her von der Sanskrit-Wurzel "as", was soviel
bedeutet wie sitzen, sein oder bleiben. Allgemein gesprochen steht der Begriff
Asana für die verschiedenen Körperstellungen des Hatha-Yoga.
Werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Asana-Begriffs, stellen wir fest,
dass sie sehr weit zurück reicht. Bei Ausgrabungen in den zwanziger Jahren des
letzten Jahrhunderts wurden ikonographische Darstellungen entdeckt, die einen
Yogin in einer bestimmten Sitz-Haltung zeigen. Bei diesem Fund, der aus der
Harappa- und Mohenjo-Daro-Zivilisation stammt (datiert etwa um 2500 v. Chr.),
handelt es sich höchstwahrscheinlich um Shiva, den Herrn der Yogins.
Erst durch tantrischen Einfluß entwickelten sich aus der Sitzhaltung bei Patanjali
eine Reihe von Körperstellungen, die diesem zur Gesundung, Reinigung und
Vollendung dienen. Der Körper erfuhr in dieser Zeit eine ganz neue Wertschätzung,
wurde zum Tempel der Seele, wohingegen er in früherer Zeit als Hindernis auf
dem Weg zur Selbstverwirklichung angesehen wurde. Um das zwölfte Jahrhundert
entstanden Schriften wie die Hatha-Yoga-Pradipika, die Gheranda-Samhita und die Shiva-Samhita,
in denen eine Vielzahl von Asanas beschrieben werden.
In der westlichen Kultur des beginnenden 21. Jahrhunderts sind Gesundung,
Reinigung und Vollendung des Körpers so in den Vordergrund des Interesses
gerückt, dass Patanjali angesichts der in Hochglanzmagazinen abgelichteten,
die kompliziertesten Körperstellungen ausführenden Filmstars wahrscheinlich
höchst verwundert wäre.
Wirft man einen Blick auf die Namen der in den Hatha-Yoga-Schriften aufgeführten
Asanas - sie umfassen Götter, Tiere, Pflanzen und Mineralien - , dann stellt man
fest, dass in ihnen der Grundgedanke des Yogasystems zum Tragen kommt,
nämlich dass der universelle Geist in allen Dingen existiert und darüber hinaus
allen Erscheinungsforrnen des Universums der gleiche Respekt gezollt werden soll.
Fast jeder Yoganeuling erfährt auch heutzutage in den ersten Übungsstunden,
dass eine bestimmte Dehnung in irgendeinem Asana nicht nur eine Streckung
da und dort bedeutet, sondern eine Verbindung in die Tiefe des Seins zu haben
scheint. Jedes Asana stellt einen bestimmten Bereich unseres Lebens dar,
entspricht einem Aspekt von uns und eröffnet uns damit einen Weg nach innen
zu größerer Bewußtheit.
So wie sich der gesamte Lebensprozeß unaufhörlich im Wandel befindet, so hat
sich auch die Welt des Yoga im Laufe der Jahrhunderte schöpferisch weiter
entwickelt, analog den verschiedensten gesellschaftlichen Bedürfnissen und im
Zusammenspiel mit der Evolution des philosophischen und wissenschaftlichen
Denkens auf unserer Erde. BKS Iyengars genaue und nüchterne Methode hat in
diesem Zusammenhang viel zur Erneuerung und Entmystifizierung des Yoga
beigetragen. Er versteht Körper und Geist als Einheit und unterscheidet nicht
zwischen körperlichem und spirituellem Yoga, denn wo endet der Körper und wo
beginnt die Seele? Den wirklichen Yoga findet man dann auch nicht in den oben genannten Schriften oder in modernen Yogabüchern, sondern nur im Herzen der Übenden. Die Texte sind nur unterstützende Wegweiser. Wichtig für die Übung von Asana sind selbstvergessene Hingabe und Ergebenheit, damit Asana für sich genommen schon lebendige Philosophie darstellt. |
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